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iranreise ‘07

Wüstenausflug

April 2nd, 2007 by Bettina

Maya hat schon eine Tour zur Oase Liwa organisiert, zusammen mit Jennifer, die bei der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) Praktikum macht und Friedemann, einem Geologen, der hier für eine Erdölfirma einige Monate arbeitet.
MercedesAuf dem Weg nach Liwa kommen wir zum Automuseum des Kronprinzen Mohammad. Dort stehen über 200 Wagen aus aller Welt, die er erst einmal nicht mehr benutzen wird. Am beeindruckendsten finde ich dann die endlosen Sanddünen des „Leeren Viertels“, wie die Wüste der arabischen Halbinsel heißt. Für viele Emiratis ist dies der Ort zum Vergnügen: mit kleinen Fahrzeugen und übersteuerter Musik heizen sie eine Düne hoch, um dann hinunter zu rasen. Einer der jungen, stark beleibten Gäste (im übrigen ist eine beachtliche Anzahl der Emiratis fettleibig) fliegt dabei im hohen Bogen aus dem Gefährt, hat zum Glück nur einige Schürfwunden und einer der Dabeistehenden meint nur lapidar, dass dies oft passiere.
Ich kann mich mehr für die Stille der Wüste begeistern. Diese Art von Ruhe, mit der man Abstand zur geschäftigen Welt und dem eigenen Leben bekommt, finde ich unbeschreiblich und nur an wenigen anderen Orten der Welt in ähnlicher Weise erfahrbar. Leeres Viertel

Die Emirate

April 1st, 2007 by Bettina

In Abu Dhabi angekommen finden wir uns in einer zum Iran konträren Welt wieder: in den Bussen sitzen hauptsächlich Inder, Pakistanis, Philippiner und einige Europäer. Auf den Straßen rasen Jeeps mit verdunkelten Scheiben, hinter denen man die Emiratis nur vermuten kann. Es finden sich fast ausschließlich Wolkenkratzer mit spiegelnden Flächen, dazwischen Shoppingmalls mit Hunderten von Markenläden. Am Ende taucht der persische Golf – hier allerdings der arabische genannt – auf mit der neuen Corniche. Unsere zwei Jahre alte Karte ist völlig überholt, da Gebäude komplett abgerissen, um von neuen ersetzt zu werden und Straßen umbenannt sind.

Bei unserer Leipziger Freundin Maya und ihrem libanesischen Vater dürfen wir wohnen, was hier sonst mit ungeheuren Kosten verbunden ist. Sie macht im neuen Goethe-Institut Praktikum und gibt uns erste Einblicke in das Leben der VAE.

Am Persischen Golf

March 31st, 2007 by Anselm

Ade Iran. Die Hafenstadt Bandare Abbas am Persischen Golf war unsere letzte Station in Persien. Karo, Clara und Steffen hatten uns bereits in Shiranz wieder verlassen und von Bandare Abbas haben auch Bettina und ich nach 30 Tagen den Iran Richtung Arabische Emirate verlassen. Eigentlich wollten wir mit der Fähre von Bandare Abbas über den Persischen Golf nach Dubai tuckern. Anscheinend gab es aber zur Zeit (wg. Nourouz) keine Fähren in die VAE und so sind wir nach Dubai geflogen. Ich habe zwar noch das Angebot bekommen mit einem der vielen Schmuggler-Speedboats in die Emirate zu fahren, was ich aber für eine nicht so eine gute Idee hielt…
Die Stadt Bandare Abbas war völlig überfüllt und alle Hotels waren ausgebucht. Zwei nette Jungs aus Kerman, die selber im Hotel wohnten, stellten uns freundlicherweise ihr Zelt (Tschador) zur Verfügung und wir haben, wie tausende anderer Iraner auch, am Strand das Zelt aufgeschlagen, uns von den Nachbarn zum Essen einladen lassen und trotz der Hitze auch ganz gut geschlafen.unser Zelt

Auf der Suche nach einem Hotelzimmer in Bandare Abbas machten wir Bekanntschaft mit einem Taxifahrer, welcher der Bahai-Religion angehört und uns ein wenig seine Lebensgeschichte erzählte: Bis zur Revolution arbeitete er als Englischlehrer, in der dann von Khomeini ausgerufenen Islamischen Republik wurden die Bahai (deren Weltzentrum in Haifa ich letztes Jahr auch besucht habe) als “Ungläubige” verfolgt. Viele wurden von Khomeini hingerichtet und ihre Religion verboten. Unser Taxifahrer kam fünf Jahre ins Gefängnis, wobei er mit dem Deutschen Helmut Hofer eine Zelle teilte, der aufgrund einer Beziehung mit einer Iranerin verhaftet wurde.
Jetzt ist er zwar wieder draußen, kann aber nicht mehr als Lehrer arbeiten, da Bahais nicht in staatlichen Einrichtungen arbeiten dürfen. Noch nicht mal ein offizielles Taxi darf er sich kaufen und fährt nun mit seiner privaten, alten Klapperkiste sein Brot verdienen.
Dieses war eine der krassesten Geschichten, aber nicht das einzige Mal, dass uns Iraner von Gefängnisaufenthalten erzählten, wobei die Religionspolizei Frauen in zu kurzer oder zu enger Bekleidung verhaftete oder zwischengeschlechtliches Händeschüteln auf dem Unicampus verfolgt wurde.
Bei solchen Berichten zeigt sich, wie das iranische Volk unter ihrem totalitärem Regime zu leiden hat.
Viele Iraner klagen, wie unzufrieden sie mit ihrer Regierung sind, entschuldigten sich für ihren Präsidenten und resigniert von der Mullahherrschaf. Solche Geschichten sind keineswegs nur ein Phänomen in der reichen Oberschicht, sondern vor allem von Taxifahrern, Friseuern und Verkäufern zu hören. Eine einzige Person habe ich getroffen, die gut auf ihren Präsidenten zu sprechen war.
Via Satellitenschüssel informieren sich viele Iraner druch den iranischen Oppositionssender aus Kalifornien und fühlen sich durch das Vorgehen ihrer Regierung immer mehr international isoliert.
Einen Krieg mit den USA befürchten die wenigsten, auch wenn einige (wenige) den Wunsch äußerten, die Amerikaner sollten doch endlich kommen und das Land befreien.
Das ist bestimmt keine Lösung, gerade wenn man die Entwicklungen im benachbarten Irak betrachtet, aber der iranischen Bevölkerung ist wirklich ein anderes Regime zu wünschen! Manche hoffen auf eine zweiten Revolution, die die Freiheitsrechte wieder garaniert, die Zensur beendetet (selbst westliche Musik ist verboten) und die Menschen einfach ihr Leben leben lässt.
Und so bleibt mir nach 30 Tagen Iran, vielen Begegnungen und Unterhaltungen zu sagen übrig, dass die Iraner ein gebildetes und ausgesprochen sympathisches Völkchen sind, die unter einem totalitären Regime leben, von dem wir auf unserer Reise glücklicherweise persönlich nichts zu spüren bekamen.

Yazd

March 23rd, 2007 by Karolin

In Yazd, auf der vorletzten Station meiner Reise, hatten wir die entspanntesten Tage. Das zu einem nicht unwesentlichen Teil 1. am Hotel und 2. an Anselms Rueckenschmerzen lag. So verbrachten wir viiieel Zeit auf den Betten im Innenhof, wo der eine oder andere Hotelgast vorbeikommt und Schwaetzchen haelt. Anselm verbrachte so gut wie die ganze Zeit dort, aber wir anderen schoben zwischen den Tees, Kaffees (im Silkroadhotel gab es sogar eine Kaffeemaschine! Die Iraner koennen ja vieles, zum Beispiel Kopftuecher als sexy Accessoir tragen, Arabesken entwerfen und Uran anreichern, aber mit dem Kaffee haben sie es leider nicht so) und Fressgelagen Spaziergaenge und Besichtigungen ein. In einer Mosche mussten wir uns Tschadors ueberwerfen. Das sind nicht unbedingt die praktischsten Kleidungsstuecke, wenn man sie zum ersten mal traegt, denn es gibt keine Aermel, kein Halsloch, gar nix, das sind einfach nur Tuecher, die man staendig festhalten muss. Dass Tschador auch “Zelt” bedeutet, ist doch ganz passend:

Von den vielen Moscheen und Palaesten waren wir (oder zumindest ich) schon uebersaettigt, so war es eine nette Abwechslung, in Yazd die Staetten der Zoroastrier zu besichtigen. Im Feuertempel trennt eine Glasscheibe das ewige Feuer (das Gott symbolisiert) von den Besuchern. Angeblich soll so vermieden werden, dass unreine Personen der Flamme zu nahe kommen. Ausserhalb der Stadt liegen die “Tuerme des Schweigens”, auf denen die Zoroastrier bis vor zwei Generationen ihre Toten beerdigt haben. Weil Erde, Feuer und Wasser heilig sind und nicht durch die Toten verunreinigt werden sollen, gab es keine “konventionellen” Bestattungsmethoden wie Beerdigung oder Einaescherung. Stattdessen wurden Leichen auf den Tuermen des Schweigens ausgesetzt. Die Geier frassen das Fleisch der Toten, und nur die Knochen wurden nach zwei Wochen wieder abgeholt und in einem Brunnen bestattet. Heute ist diese Methode verboten, aber unser zoroastrischer Fuehrer findet das ganz gut, er sagt, er will nicht gefressen werden.

Dann wurden wir in Yazd Zeugen einer Kamelschlachtung. Das einzige Kamel, was ich im Iran gesehen habe. Es stand vor einer Moschee, drum herum lauter Maenner und Jungen, einer wetzte ein Messer. Als wir eine halbe Stunde spaeter wieder vorbeikamen, war das Kamel nur noch ein Berg Fleisch, der gerade gehaeutet wurde. Die Jungs haben sich gefreut, dass wir fotografiert haben, und es bedauert, dass wir den wichtigsten Moment verpasst haben, aber zum Trost wurde gleich darauf noch ein Schaf geschlachtet. Ohne Betaubung, das arme Vieh hat bestimmt noch drei Minuten gekaempft, nachdem seine Kehle durchgeschnitten war.

Und wem das noch nicht eklig genug ist: vor einem Metzger sahen wir diese Szene:
Guten Appetit

Ausflug nach Kerman

March 23rd, 2007 by Bettina

Kurz vor Nowrooz machte ich mich allein von Yazd auf den Weg nach Kerman, um Freunde vom Psychiater zu besuchen, mit dem Ziel, etwas ueber die persische Medizingeschichtsforschung in Erfahrung zu bringen.
Das immer wieder erstaunliche Verantwortungsgefuehl der Iraner fuer Gaeste zeigte sich schon daran, dass mein Gastgeber Farokhi seinen Bruder in Yazd beauftragte, mich ausfindig zu machen, um mir ein Busticket zu organisieren und fuer meine gute Anreise Sorge zu tragen. Der Bursche wartete eine Stunde vor dem Internetcafe auf mich, nachdem er vorher lange im Hotel Nachforschungen angestellt hatte…
Waehrend der Fahrt fuehlte ich mich so, als sei ich schon fast in Afghanistan, was den Kleiderstil und das Aussehen der Leute betraf, untermalt von langgestreckten Bergketten. Kerman selbst hatte eine etwas merkwuerdige Atmosphaere, was vielleicht damit zu tun hat, dass von dieser Provinz aus Richtung Osten viel mit Opium gehandelt wird.
Familie Emami war ganz entzueckend mit mir und liess mich an den Feierlichkeiten zu Nowrooz ganz selbstverstaendlich teilhaben. In der Nacht zum 21.03. standen wir um 3 Uhr auf, entzuendeten Kerzen, lasen im Koran und im Diwan von Hafez. Am 21.03. dann gab es viel Essen und Geschenke und ich wurde ebenfalls mit allerlei Kosmetika, Deckchen, Porzellan aus der Gegend und einem afghanischen Tuch beschenkt…Ich war ganz beschaemt, weil ich keinerlei Beitrag ausser meiner schlichten Anwesenheit leisten konnte, aber alle schienen damit sehr zufrieden.
Vom alten Dr. Emami, der Anatomie-Prof. und Medizinhistoriker ist, erfuhr ich dann, wie traurig es um die Medizingeschichte im heutigen Iran bestellt ist. Insgesamt gibt es wohl nur drei Personen, die sich intensiv damit beschaeftigen und das angesichts der Tatsache, dass viele der alten Autoren Perser waren (wie z.B. Ibn Sina).
Bei der Erkundung der Gegend um Kerman besuchten wir das Mausoleum von Shah Nematollah Vali, einem Sufi-Derwisch aus dem 15. Jh.. An den Erklaerungen des Tuerhueters war interessant, dass er meinte, die Regierung wuerde manches dafuer tun, um die Orte der Sufis in Vergessenheit geraten zu lassen. (Die Details blieben mir wegen mangelnder Uebersetzung unbekannt.)
Beeindruckend fand ich auch, dass Dr. Emami, die Tochter des Profs., einen riesigen Kindergarten gegruendet hat, mit mehr als 20 Angestellten und bis zu 120 Kindern, wo auch Montessori-Ideen umgesetzt werden. Nebenbei arbeitete sie zusammen mit Dr. Gudarzi nach dem Erdbeben in Bam, wo sie eine NGO gruendeten, die Kindern psychologische Unterstuetzung anbot.

Das Testament von Hafez

March 23rd, 2007 by Bettina

Da ich im Trunke sterben werde,
bringt mich auf die Art der Trunkenen unter die Erde.

Baut aus dem Rebstock mir einen Sarg,
auf dem Weg zur Kharabat (einer Schenke) grabt mir mein Grab.

Die Totenwaesche mit deren Wasser nehmt vor,
auf trunkenen Schultern hebt mich empor.

Nichts als Wein schuettet auf mein Grab,
zu meiner Trauerfeier bringt nur die Robab. (ein Saiteninstrument)

Eine Bedingung stell ich zu meinem Tod wieder,
dass keiner weint, ausser der Musik vom Harfenspieler.

(Hafez zugeschrieben, 14. Jh.)

Da in der Nacht zu Nowrooz jedermann Gedichte von Hafez zitiert oder sich die Zukunft daraus lesen laesst und die Iraner in Massen zu seinem Grab hier in Shiraz pilgern, wollte ich Euch dieses kleine Gedicht schreiben, damit Ihr einen Eindruck von seinem Leben bekommen koennt. Die Stadt ist ja zudem fuer ihren Wein bekannt, wenngleich eher aus vergangenen Tagen…

Frohes Neues Jahr !!

March 21st, 2007 by Anselm
Heute ist Nourouz , نو روز

das altiranische Neujahrs- und Fruehlingsfest. Die Stimmung der letzten Wochen ist mit der Vorweihnachstzeit zu vergleichen, alle rennen genauso gestresst durch die Gegend, um noch letzte Besorgungen fuer das größte Fest im Iran zu machen. Traditionell zu Nourouz gehören die Haftsin, sieben Sachen, die alle mit “S” anfangen und womit der Nourouztisch dekoriert wird.

Ausserdem verreisen die Iraner sehr gerne ueber die Feiertage. Alles war vollkommen verstopft und wir haben nur sehr schwer noch Plätze für Hotel und Bus bekommen.

Wer keine Verwandte besuchen will oder es sich nicht leisten kann in ein Hotel zu ziehen, schlägt einfach auf einer der vielen Grünflächen in den Städten ihr Zelt auf. Die Städte werden so plötzlich zu großen Campingplätzen.

Wir haben gestern das Neue Jahr im Mausoleum von Hafez mit tausenden anderer Shirazis gefeiert.

Im Rausch der Gaerten und blauen Kuppeln

March 18th, 2007 by Bettina

Inzwischen in Yazd - einer beschaulichen Stadt am Rande der Wueste - angekommen, ist mein Kopf noch etwas voll von den Erinnerungen an Esfahan. Die Stadt beeindruckt durch ihre zahlreichen Kuppeln, dank filigraner Kleinarbeit in Dunkelblau und “Firuzi” (Tuerkis) so intensiv verziert, dass man meint, in den Ornamenten einzutauchen. Dazu kommen mehrere Palastanlagen des Safavidenkoenigs Shah Abbas II., der es verstand, angenehm ruhige, mit Wasserspielen plaetschernde Gartenanlagen anzulegen, in denen man Ruhe finden kann, wenn der Verkehr und die Menschenmengen einzuengen drohen…Am Zayandeh, dem “Fruchtbarkeitsfluss” (der nur wenig Wasser fuehrt mit einigem Schmodder), reihen sich mit huebschen Boegen verzierte Bruecken aneinander, an denen sich des Abends Leute versammeln, um miteinander alte Weisen zu singen (die Poesie der beruehmten Perser wie Hafez, Saadi u.a. ist den meisten vertraut), z.T. auch zur Belustigung mancher Vorbeischlendernder.
Wie schon erwaehnt trafen wir jeden Tag mit einem der “Koenigsgesichter” zusammen, der uns mit endloser Geduld durch die Stadt fuehrte, uns durch zahlreiche Laeden schleppte, damit wir die schoenen Isfahaner Stoff- und Kupferarbeiten ersteigern konnten und uns zu seinem Freund Ali, einem Dentisten, mitnahm, bei dem wir einen Hausmusikabend erlebten. Ali weihte uns in die persische Klaviermusik ein, die etwas sehr romantisch-fliessendes an sich hat. Seine Schwester trommelte etwas, das Koenigsgesicht zupfte auf der “Sitar”, einem gebrechlich wirkenden Instrument mit langem Hals und winzigem Korpus. Meine Versuche am Klavier nach wochenlangem Nichtueben und bei Aufgeregheit moechte ich lieber unerwaehnt lassen…

Wir wohnten dann teilweise beim Koenigsgesicht und waren beeindruckt, wie er und sein Vater (ein Chemiker mit Vorliebe fuer heilsame Getraenke, die aus Schwarztee und chinesischen Pilzen gegoren werden) uns bewirteten. Aus arabischen Laendern sind wir in der Kueche nicht so beflissene Maenner gewohnt. Beim Anschauen der Fotoalben aus der Jugendzeit der Eltern konnten wir nur schwerlich Unterschiede zu den Bildern unserer Eltern entdecken. Die Mutter hielt mehrfach im Minirock Reden an der Uni und erst nach Geburt der juengeren Soehne Anfang der 80-er tauchte ploetzlich das Kopftuch auf…Waehrend der Gespraeche wurde auch hier wieder klar, wie unbefriedigend die momentanen politischen Umstaende sind.

Unterdessen fieberte ich meiner langersehnten Zugfahrt von Esfahan nach Yazd entgegen. Die Karten fuer die Bahn aus deutscher Produktion waren fuer ganze drei Euro zu haben (fuer zwei Personen in der ersten Klasse selbstverstaendlich). Unsere Freunde kannten den Weg zum etwas entlegenen Bahnhof jedoch nicht, was zur Folge hatte, dass wir dem schon abgefahrenen Zug hinterherrasten und an der ersten Haltestelle im naechsten Ort noch aufspringen konnten. Der Zug war angenehm, wenn auch wieder mal leicht ueberheizt (wie fast alle Einrichtungen im Iran), nur machten wir mehrere extrem gedehnte Pausen unterwegs ohne ersichtlichen Grund, was uns dann doch sehr ermuedete. Dafuer hatten wir eine aufgeweckte Familie im Abteil, deren Kinder umhertollten, lautstark sangen und ihre ungelenken Gliedmassen barfuessig umherreckten…

Zoroastrier und jüdisches Leben im Iran

March 17th, 2007 by Anselm

Mittlerweile sind wir in Yazd angekommen.
Die letzten Tage verbrachten wir in Esfahan. Es ist die mit Abstand schönste Stadt im Iran. Neben den vielen beeindruckenden Bauwerken, vor allem riesige mit Fliesen ausgekleidete Moscheen und Paläste, gibt es auch bildliche Malereien, teilweise sogar recht anzüglich. Dass viele Schiiten es mit dem Bilderverbot nicht so genau nehmen, sieht man auch an den vielen Bildern des Imam Husain, die es überall zu kaufen gibt. Solch ein Bild hängt in fast jedem Taxi, oft mit der Beschriftung ya Husain ! (oh Hussain). Gleiches gibts auch für Fatima.
Die Iraner dekorieren ihre Städte gerne bunt und kitschig. Die vielen Springbrunnen werden farbig angeleuchtet, aber es stehen auch völlig Künstliche Bäume herum, deren Blätter blau oder weiss leuchten. Hat man sich einmal daran gewöhnt, sieht es eigentlich auch ganz chic aus..noch ein Leuchtbaum

Im Iran sind relativ viele Minderheiten ansässig. Im Westiran leben die Azaris, die einen türkischen Dialekt sprechen, Bettina und mich mit unserem Türkeitürkisch aber kaum verstanden haben. In Yazd leben noch eine Reihe Zoroastrierer, Anhänger der vor dem Islam in Persien vorherrschenden Religion.  Vor allem im Süden wohnen Araber. Auf diese sind die Iraner aber sehr schlecht zu sprechen (dumm, unkultiviert) und fast jeder Perser weist uns darauf hin, dass Iraner keine Araber oder Türken seien, sondern Arier. Unser Brudervolk sozusagen, ob wir das schon wüsssten. Na klar wissen wir das und damit ist das Thema dann meistens auch abgehakt.

Zahlenmässig sehr viel geringer gibt es jedoch auch jüdisches Leben im Iran. In Hamadan besuchte ich das Grab von Esther und Mordechai, den beiden jüdischen Persönlichkeiten zur Zeit des babylonischen Exils. Dessen Auszug - nach dem Buch Esther - feiern die Juden ja jedes Jahr mit dem Purimfest. Ein alter, ausgesprochen netter Rabbi erkläuterte das Grab und die neu gebaute Synagoge nebenan. Er sagte, dass es (noch) 10 jüdische Familien in Hamedan gäbe, die jedoch ein sehr aktives Gemeindeleben führen.

Im “International Skiing Resort Dizin”

March 16th, 2007 by Karolin

Ich habe es ENDLICH geschafft, mal im Orient Skifahren zu gehen!

Der Psychiater, den Bettina kennt, hatte uns vorgeschlagen, seinen Freund auf einen Tagetrip ins Skigebiet zu begleiten. Als wir um 7 Uhr frueh am Treffpunkt waren (unter einer Autobahnbruecke), rechneten wir mit einem gesetzten Familienvater, aber - welch Freude - da warteten zwei nette Studenten Mitte 20 auf uns! Das waren die kleinen Brueder von dem Freund.
Ueber die drei und ihre lustigen Namen hat Bettina ja schon geschrieben.
Im Skigebiet durften wir Mantel und Kopftuch ablegen. Offensichtlich gelten auf dem Berg andere Regeln als unten.
Geschlechtertrennung gibts aber, und zwar in der Schlange vorm Skilift. Nicht auf der Piste, nicht im Restaurant, und lustigerweise auch nicht in der Gondel. Weil die Frauenschlange viel kuerzer ist als die Maennerschlange, konnten wir in dier Gondel einsteigen, lange bevor unsere drei Jungs da waren, wir fuhren also mit fremden Maennern. Ob das der Sinn des Systems ist?

Bettina und Karo fahren Ski
Die Eisengitter hinter uns trennen die Anstehbereiche fuer Maenner und Frauen.

Der Schnee war wunderbar, ich habe an Bettina ein bisschen Alpinski begebracht, als sie das nach zwei Abfahrten konnte, bin ich mit dem mittleren Koenigsgesicht durch den Tiefschnee geheizt. Trotz Lichtschutzfaktor 90 (!) hatte ich ein bisschen Sonnenbrand, aber das war es wert!
An der mittleren Gondelstation (also am Arsch der welt auf 3500m) hing uebrigens ein Plakat, das fuer Atomenergie warb.

Mit den drei Jungs haben wir uns so gut verstanden, dass wir jetzt in Isfahan praktisch unsere gesamte Zeit mit Kyarokh verbracht haben, der zufaellig auch gerade hier ist.