In Yazd, auf der vorletzten Station meiner Reise, hatten wir die entspanntesten Tage. Das zu einem nicht unwesentlichen Teil 1. am Hotel und 2. an Anselms Rueckenschmerzen lag. So verbrachten wir viiieel Zeit auf den Betten im Innenhof, wo der eine oder andere Hotelgast vorbeikommt und Schwaetzchen haelt. Anselm verbrachte so gut wie die ganze Zeit dort, aber wir anderen schoben zwischen den Tees, Kaffees (im Silkroadhotel gab es sogar eine Kaffeemaschine! Die Iraner koennen ja vieles, zum Beispiel Kopftuecher als sexy Accessoir tragen, Arabesken entwerfen und Uran anreichern, aber mit dem Kaffee haben sie es leider nicht so) und Fressgelagen Spaziergaenge und Besichtigungen ein. In einer Mosche mussten wir uns Tschadors ueberwerfen. Das sind nicht unbedingt die praktischsten Kleidungsstuecke, wenn man sie zum ersten mal traegt, denn es gibt keine Aermel, kein Halsloch, gar nix, das sind einfach nur Tuecher, die man staendig festhalten muss. Dass Tschador auch “Zelt” bedeutet, ist doch ganz passend:

Von den vielen Moscheen und Palaesten waren wir (oder zumindest ich) schon uebersaettigt, so war es eine nette Abwechslung, in Yazd die Staetten der Zoroastrier zu besichtigen. Im Feuertempel trennt eine Glasscheibe das ewige Feuer (das Gott symbolisiert) von den Besuchern. Angeblich soll so vermieden werden, dass unreine Personen der Flamme zu nahe kommen. Ausserhalb der Stadt liegen die “Tuerme des Schweigens”, auf denen die Zoroastrier bis vor zwei Generationen ihre Toten beerdigt haben. Weil Erde, Feuer und Wasser heilig sind und nicht durch die Toten verunreinigt werden sollen, gab es keine “konventionellen” Bestattungsmethoden wie Beerdigung oder Einaescherung. Stattdessen wurden Leichen auf den Tuermen des Schweigens ausgesetzt. Die Geier frassen das Fleisch der Toten, und nur die Knochen wurden nach zwei Wochen wieder abgeholt und in einem Brunnen bestattet. Heute ist diese Methode verboten, aber unser zoroastrischer Fuehrer findet das ganz gut, er sagt, er will nicht gefressen werden.
Dann wurden wir in Yazd Zeugen einer Kamelschlachtung. Das einzige Kamel, was ich im Iran gesehen habe. Es stand vor einer Moschee, drum herum lauter Maenner und Jungen, einer wetzte ein Messer. Als wir eine halbe Stunde spaeter wieder vorbeikamen, war das Kamel nur noch ein Berg Fleisch, der gerade gehaeutet wurde. Die Jungs haben sich gefreut, dass wir fotografiert haben, und es bedauert, dass wir den wichtigsten Moment verpasst haben, aber zum Trost wurde gleich darauf noch ein Schaf geschlachtet. Ohne Betaubung, das arme Vieh hat bestimmt noch drei Minuten gekaempft, nachdem seine Kehle durchgeschnitten war.
Und wem das noch nicht eklig genug ist: vor einem Metzger sahen wir diese Szene:
